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Prometheus - ein Theaterabend

Am 12.9. erlebten Schüler der 6B einen faszinierenden Theaterabend am AKG -

Prometheus: der Vordenker, wie der griechische Name sagt; und der klassische Menschenfreund unter den Göttern schlechthin. Ein Angehöriger der alten Generation, die von Zeus und den Modernen verbannt oder degradiert wurde, und der sich damit nicht zufrieden gibt. Seine Geistesgabe widmet er unter Gefahr für die eigene Existenz den schutzbedürftigen Menschen: Er bringt ihnen entgegen Zeus‘ Verbot das Feuer, die Grundlage für alle Kultur, und fördert ihre Zivilisation – dafür wird er an den Kaukasus gekettet, von Wind und Sturm gepeitscht, und zieht sich den ultimativen Hass der neuen Generation zu. Die macht Front für Zeus, den neuen, unerbittlichen Herrscher, unter dem die Menschen zu einem nichtswürdigen Dasein verurteilt sein sollen.promprog

So weit der Mythos. Das antike, vom reflektierenden Dialog bestimmte Thema in modernes Theater umzusetzen, ohne die echte, überzeitliche Grundstimmung zu verfälschen, bedarf seinerseits prometheischen Vordenkertums. Umgesetzt wurde der mutige Plan unter Georg Zlabingers Regie von der Theatertruppe des Akademischen Gymnasiums, basierend auf Handkes Übersetzung des aischyleischen Dramas (Προμηθεὺς δεσμώτης) und einer vertiefenden Nach-Interpretation, die den alten Mythos erschreckend modern anmuten lässt. So tritt der Chor mit einem doppelten Gesicht auf: Er wechselt die Rolle zwischen Göttern –der neuen, zeushörigen Generation, die Angst vor jeder Courage hat- und Menschen, die in ihrer Courage erst gefördert werden müssen: von einem wie Prometheus eben. Die Grenzen verschwimmen, und das allzu Menschliche zeigt sich auf jeder Ebene, bei den hörigen Mächtigen wie auch den machtlosen Individuen, in faszinierender Weise alt und modern zugleich. Der Adler, dem noch bestimmt sein wird die nachwachsende Leber des Prometheus täglich zu zerhacken, wenn er erst einmal an den Fels gekettet ist, erscheint unter Zlabingers Regie als Figur mit menschlichen Konturen, ein verzagter Begleiter des verurteilten Prometheus, der sein Schicksal reflektiert und als Instrument des grausamen Herrschers doch nicht aus seinem Gefieder – will sagen: seiner Haut – kann. Alle leiden. Den Druck des neuen Regimes verkörpert schließlich Inachos‘ Tochter Io (J. Ebner 6B), die Prometheus auf seinem Leidensweg begegnet: eine geschundene menschliche Existenz, durch Zeus von ihrer Familie getrennt und auf Wanderschaft gehetzt, um ihm als heimliche Geliebte zu dienen. Ausweglose Situation für Menschen und Menschenfreund. Das Ende bleibt düster: Prometheus‘ unmittelbares Schicksal als Gefangener und Gefolterter schwebt drohend über dem Theater, doch ein Lichtblick zeichnet sich ab, schwach flackernd hinter dem bedrückenden Szenario: Der Vordenker Prometheus weiß etwas, was nicht einmal die Obrigkeit um Zeus erkannt hat und das über das Schicksal dieser Götter entscheiden kann, doch wird er dieses Geheimnis auch unter Drohungen nicht verraten – noch nicht, nicht in diesem Stück. Wir werden es selbst zu Ende denken müssen, während Prometheus noch qualvolle Leiden zu bestehen hat. Doch auch die hörigen Götter sind sich ihrer Bestimmung nicht mehr sicher, einige sind schon vom Vordenkertum – will heißen, der persönlichen Auseinandersetzung mit dem Leid der Menschen – angesteckt und geraten in heftige Auseinandersetzungen mit den anderen, mag auch Zeus‘ Stimme drohend aus dem tiefen Hintergrund von Zlabingers Inszenierung erschallen. Und das war’s: Prometheus ab zur unerträglichen Bestrafung des Widerspenstigen, Menschen sich selbst überlassen. War’s das? Mit dieser Frage entlässt uns der Regisseur, bange zwischen Gehorsam, Unterdrückung und der Möglichkeit, durch Nützen unseres eigenen Vordenkertums einer drückenden Realität zu entrinnen, die sich nur durch mangelnde Geisteskraft des Individuums selbst manifestiert.

Ein Theaterabend nicht irgendwo zwischen Antike und Moderne, sondern exakt auf dem Punkt eines überzeitlichen Themas, das unseren ewigen kulturellen Hintergrund seit der Antike grell beleuchtet und den Zuschauer durch Nachdenken zum Vordenken bringt.

 chor prom gefesseltausschn   io ausschn
 der Chor - jetzt Menschen  Prometheus gefesselt  Prometheus, Io (J. Ebner 6B)