Jetzt anmelden!

So erreichen Sie uns

Orpheus schweigt

Theaterbesuch der fortgeschrittenen Art

„Orpheus schweigt“ ist die diesjährige Theater-Produktion am Akademischen Gymnasium, die die 7A unseres hum. Gymnasiums am 12.4. besuchte. Anspruchsvoll nicht nur von der Konzeption des Texts her (man kann ihn Libretto nennen), sondern auch von der Aufführungspraxis. Für den aufmerksamen Zuhörer ein herausforderndes Kontinuum von Sequenzen aus Ovid, Vergils Bucolica, R.M. Rilke und anderen; ein mehrschichtiges Werk, das die überzeitliche Bedeutung der Verflechtung von Kunst, Liebe und Tod in fließenden Bildern mit Gesang vor dem inneren Auge vorbeiziehen lässt. Orpheus schweigt: denn die Herausforderung an seine Kunst lässt ihn unsicher werden, seine Liebe zu Eurydike übersteigt das Vermögen seiner Kunst. Und mittendrin der jähe Tod seiner geliebten Braut. Aus dem bekannten Plot – halb klassisch mit tragischem Chor, halb brechtisch mit Ovid als hintorpheusschweigtergründigem Erzähler inszeniert – steigen die traumhaften Visionen der handelnden Charaktere empor, die die eigene Kleinheit thematisieren und durch die einfache Größe menschlicher Existenz kompensieren. Schüler werden Zuschauer, und alle Zuschauer werden Schüler des Lebens und seiner großen Fragen, denen zu folgen wir behutsam durch den wechselnden Auftritt der Zentralfiguren Orpheus und Eurydike, Chor und erzählenden Personifikationen von Tod, Liebe und Kunst angeleitet werden, die sich am Höhepunkt zu monteverdischem Gesang zusammenfinden. Die Antwort auf diese Fragen des Lebens steckt im Ablauf selbst und damitim Zuschauer, den schließlich ein in weiß gekleideter Verführer, der statt des biblischen Apfels eine Banane vom Baum der Versuchung gepflückt hat, in nachdenklich-witziger Stimmung entlässt.
Freigegeben für jugendliche Denker ab Gymnasium, bunt, herausfordernd, Augen-, Ohren- und Geistesschmaus.

Ihre KritikerInnen der 7A und Prof. Streicher