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2000 Jahre ...

sind heuer seit dem Tod des Dichters Ovid vergangen (18 n. Chr., unter Kaiser Tiberius).

Anlass genug, wieder am internationalen Ovid-Bewerb in seinem Geburtsort Sulmona in Mittelitalien teilzunehmen und des Dichters zu gedenken, der die abendländische Literatur wie wenig andere geprägt hat.

Wer kennt nicht die berühmten Erzählungen aus den Metamorphosen, Europa auf dem Stier, das Goldene Zeitalter (das für unser „Schlaraffenland“ als Vorbild Pate gestanden hat) oder Dädalus und Icarus, die die natürlichen Grenzen des Menschen überschritten und ihren Weg über den Himmel nahmen – aber auch die Ars amatoria, die Fasti als gedichtweise Ausarbeitung des römischen Festkalenders, und eben die späten Werke aus der Verbannung, Tristien und Epistulae ex Ponto, verdanken wir Ovid.

Genau diese letzten Werke, die uns mit dem Schicksal des Verbannten vertraut machen, waren Thema des diesjährigen Ovid-Wettbewerbs, die zum Nachdenken über Ruhm, Schicksal und Nachleben anregen sollten. Meistgelesener Dichter seiner Zeit, traf den Meister der genialen Form und versteckten Andeutung auf dem Höhepunkt seines Ruhms der Zorn des Kaisers Augustus, der zur Verbannung ans hinterste Ende des römischen Reichs führte, nach Tomi (heute Constanţa) in Rumänien. Dort starb er auch zehn Jahre später, er, der sich am Ende seines Hauptwerks Metamorphosen für unsterblich und unbezwinglich gehalten hatte, alleine, getrennt und weit entfernt von seinen Freunden, begeisterten Lesern und dem verfeinerten Ambiente seiner gewohnten künstlerischen Umgebung, gefangen im Unverständnis einer ihm zutiefst fremden Welt. In diesen letzten zehn Jahren entstanden die „Lieder aus der Verbannung“, die ein beredtes Bild von der Verzweiflung des kultivierten Menschen geben, der durch eine höhere Macht aus seiner vertrauten Umgebung gerissen wurde, aber auch von der nie versagenden Hoffnung, dass das Schicksal wieder eine positive Wendung nehmen könnte.

In dieser Hoffnung verfasste er Gedichte, die Trauer wie Hoffnung wiedergeben, berührende Zeugen eines großen Geistes, die auch am tiefsten Punkt seiner Existenz ihre Genialität nicht vermissen lassen. Und so schreibt er anlässlich der Liberalia –des römischen Bacchus-Festes- dieses Gedicht Tristia V 3, in dem er seine alte Dichterrunde ebenso wie den gefeierten Gott selbst an seine eigene missliche Lage erinnert, den Gott um Hilfe und die Freunde wenigstens um liebe Erinnerung an den verlorenen Mitstreiter bittet; das wenigstens sollte möglich sein, mehr liegt in den Händen der höheren Macht.

So sollten auch wir uns sehen: Immer in den Händen einer höheren Macht, aufgerufen zum Einsatz all unserer Fähigkeiten und Talente, nie vor dem Schicksal gefeit, aber als Menschen geborgen in den Herzen unserer Freunde.

Isabella Stropp (8A) und Daniel Kalcik (8C) haben in Begleitung von Prof. Streicher am diesjährigen XVIII. Certamen Ovidianum Sulmonense teilgenommen, und der Dichter hat unser gedacht: bei 87 Teilnehmern aus 50 Gymnasien (30 aus Italien und 20 aus dem Ausland) wurde unter 16 Vertretern Österreichs aus 8 Gymnasien Daniel Kalcik mit dem Preis für die beste österreichische Arbeit ausgezeichnet.

Wir gratulieren herzlich!